Warum es sich lohnt, eine Hundeschule zu besuchen und wie lange

Liebe Hundebesitzer,

die Frage, warum man eine Hundeschule besuchen sollte, ist leicht zu beantworten, wie lange schon schwieriger: es gibt kein Zeitlimit. Ich werde Ihnen eine kleine Geschichte erzählen:

 

Mein Mann und ich haben uns von einen Tag auf den anderen ein zartes, niedliches Hundekind im Alter von 3 ½ Monaten angeschafft, ohne groß darüber nachzudenken. Unsere Nachbarin wollte dieses so niedliche Hundekind weggeben und wir waren sofort zur Stelle. Sowohl mein Mann als auch ich selbst sind jeweils mit einem Familienhund aufgewachsen und ein Hundeopi begleitete noch zwei wundervolle Jahre unser Leben. Dann kam Filou, wie gesagt, ein kleines niedliches 3 1/2 Monate altes Hundekind, pechschwarz, mit Stehohren und Ringelschwanz, mit den wunderschönsten Hundeaugen, die ich je gesehen habe.

 

Mit der Welpenerziehung hatten weder mein Mann noch ich Erfahrung, aber so schwer konnte das ja nun nicht sein. Filou entwickelte sich zu einem wahren Wirbelwind und tanzte gerade mir auf der Nase herum. Er zerkaute mir die Arme, ich konnte kaum einen Schritt tun, ohne dass er mir hinterherlief und meine volle Aufmerksamkeit wollte. Aus dem niedlichen Hundekind wurde ein Jugendlicher und ein wahrer Rüpel. Natürlich ließ ich ihn von Anfang an ohne Leine im Wald laufen, der Hund brauchte ja Auslauf. Dummerweise hörte er nicht auf mein Rufen und ich musste mich regelmäßig bei anderen Hundebesitzern entschuldigen, wenn Filou (inzwischen fast Schäferhundgröße, 35 kg und wahrlich ein stolzes und selbstbewusstes Tier) einmal wieder andere Hunde anstürmte und Frauchen oder Herrchen fast einen Herzinfarkt bekamen. Er bedrängte Rüden und stieg auf, regelmäßig prügelte sich mein geliebtes Hundekind, die Spaziergänge entwickelten sich zum Horror, alleine wollte ich schon gar nicht mehr mit ihm in den Wald. Er zog an der Leine und sprang mich regelmäßig an. Wir ließen also Filou kastrieren, in der Hoffnung, dass sich das Rüpelhafte von alleine legen würde. Das Aufreiten auf andere Rüden wurde zwar etwas besser, die Rüpeleien hörten aber immer noch nicht auf. Oft diskutierte ich mit meinem Mann, wenn er mit unserem Hund in meinen Augen viel zu streng umging.

 

Wir hatten einmal aus Spaß beide gleichzeitig den Hund zu uns gerufen. Ich war mir so sicher, dass er zu mir kommen würde, fütterte ich ihn doch regelmäßig, spielte und ging oft spazieren. Filou lief schnurstracks mit gesenktem Haupt und angelegten Ohren zu meinem Mann, ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen.

 

Was mir bis dato nicht bewusst war, ist, dass mein Mann alles richtig machte und einfach sehr konsequent und deutlich mit dem Hund umging, der Hund hörte auf ihn. Ich selbst war viel zu weich, ließ viel zu viel durchgehen und signalisierte meinem Hund totale Unsicherheit, so dass er begann für mich die Führung zu übernehmen. Im Büro entwickelte sich mein süßes Hundekind zu einer zähnefletschenden Bestie und knurrte jeden an, der mein Büro betrat.

 

Filou war nun zwischenzeitlich 1 Jahr alt und so konnte es nicht mehr weitergehen. Ich beschäftigte mich das erste Mal mit dem Thema Hundeschule. Es hat lange gedauert, bis ich überhaupt verstanden habe, dass ich das eigentliche Problem in der Hundeerziehung bin. Nicht der Hund wird in der Hundeschule „erzogen“, sondern der Mensch lernt dort. Ich weiß noch ganz genau, wie wir in der Einzelstunde anfingen „Sitz“ zu üben und ich dachte, na das kann mein Hund doch schon längst. Tja, Sitz ist halt nicht gleich Sitz. Ich lernte, dass der Hund solange im Sitz bleiben sollte, bis ich ihm erlaubte, aufzustehen, ich lernte, wie der Hund Blickkontakt zum Menschen herstellt und wozu dieser überhaupt notwendig ist. Sicherlich hatte ich wie so viele andere die Ansicht, dass man doch einen Hund nicht anstarren soll. Ich lernte viele Grundkommandos, wir machten Straßentraining und natürlich kamen auch die von mir so gehassten Hundebegegnungen im Wald dran. Natürlich klappte nicht alles auf Anhieb. Wie soll man auch gleich von Anfang an verstehen, wie man die Leine halten, dem Hund ein Kommando geben und ihn loben soll. Ich musste meine Körperhaltung verändern (aufrecht sein, Brust raus), Kommandos nur einmal sagen, nicht ständig wiederholen und das „Wischi-Waschi“, was ich mir angewöhnt hatte, ablegen. Das sind alles Dinge, die man nicht in Kürze erlernen kann. Sicherlich gibt es leichtere Hunde und Hundebesitzer, denen die Durchsetzung und Ausführung des Erlernten leichter fällt und die schneller zum Ziel kommen.

 

Wir machten also einige Stunden Einzelunterricht und meine Situation mit dem Hund besserte sich tatsächlich. Ich konnte ihn wieder mit ins Büro nehmen, ohne dass er meine Kollegen fraß. Als sehr hilfreich empfand ich auch, dass er während seines Büroaufenthaltes ein paar Jahre fester Bestandteil des Ausführservice von Lucky Dog wurde. Dort konnte er sich dreimal in der Woche richtig auspowern und musste nicht im langweiligen Büro den ganzen Tag herumdösen. Filou wusste sofort, welches Klingeln an der Tür für ihn bestimmt war. Er ging sehr gerne mit und wer hätte es gedacht, mein Rüpel integrierte sich in eine Gruppe von zahlreichen Hunden. Mein Filou wurde ausgeglichener und es fiel mir insgesamt leichter, Kommandos umzusetzen, da die Hunde im Auslauf auch Regeln bekamen, die sie befolgen mussten.

 

Vieles klappte inzwischen mit Filou gut, aber vieles lief noch nicht ganz rund und ich spielte immer öfter mit dem Gedanken, die Hundeschule wieder erneut zu besuchen. Nachdem also eine geraume Zeit verstrich, fand ich die Lösung: Gruppenunterricht! Hier war nun alles anders. Wir trafen auf mehrere Hundebesitzer mit den verschiedensten Hunden. Alles, was zu Hause in Ruhe gut klappte, war nun auf einmal wieder schwieriger durchzusetzen, hatte ich doch sämtliche Spieleinheiten mit Filou auf ruhige Flächen oder in den Garten gelegt. Im Gruppenunterricht musste der Hund auf einmal im Sitz bleiben, wenn um ihn herum Menschen rannten und Hunde tobten. Aber wenn es dann doch geklappt hat, war ich stolz wie Oskar und das wiederum merkte Filou und spornte ihn an. Es machte Spaß, mit ihm zu üben.

 

Das Gruppentraining bestand nicht nur aus strengen Übungsabläufen, es wurden Spiele gemacht und wir lernten auch für mich zunächst „unnütze‘“ Dinge, die aber einfach Spaß gemacht, die die Bindung zum Hund gestärkt und Vertrauen aufgebaut haben, alt Gelerntes wurde immer wieder mit neuen Herausforderungen aufgefrischt. Ich weiß noch, wie der Hundetrainer sich in 10 m Entfernung breitbeinig aufstellte, zu seinem Hund rief „durch“ und er rannte zielstrebig auf ihn zu und lief durch die Beine. Das wollte ich mit Filou auch und heute können wir es. Ich kann ihn vom Jagen einer Katze mit einem Nein abbrechen, er bleibt im Sitz, wenn drei Hunde auf ihn zukommen und ich habe seine volle Aufmerksamkeit. Es ist inzwischen ein so schönes Zusammenleben mit meinem Filou geworden. Wir haben so vieles gelernt. Bis vor einem halben Jahr (Filou wird nun 9 Jahre alt) habe ich das Gruppentraining immer noch mitgemacht, einfach aus Spaß an der Freude. Ich konnte mich mit anderen Hundebesitzern austauschen. Die Trainer standen mit Rat und Tat zur Seite – auch wenn es mal länger dauerte –.

 

Es ist so schön, wie gefestigt die Kommandos inzwischen sind und der Hund es einem dankt, wenn man deutliche und klare Anweisungen gibt. Es hat sich herausgestellt, dass mein Rüpel für sein Leben gerne kleine Denkaufgaben löst. Er liebt Suchspielchen. Apportieren ist nicht sein Ding, aber er macht es trotzdem. Heute gehe ich mit ihm entspannt durch den Wald. Auf andere Hunde losstürmen will er immer noch, aber: Filou hat gelernt, dass er erst zu mir Blickkontakt aufnehmen muss und ich entscheide, ober laufen darf oder nicht. Die Hundebegegnungen sind viel entspannter und ruhiger geworden. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, wenn man die volle Aufmerksamkeit seines Hundes hat und er einen mit aufrechtstehenden Ohren und großen Augen anstarrt und erwartungsvoll abwartet und er die Welt um sich herum scheinbar vergisst.

 

Wie kam ich nun auf Lucky Dog. Das war eigentlich eine Zufallsbegegnung auf einem Feld am Rande Berlins. Wir gingen abends mit dem Hund dort spazieren und sahen zwei gelbe Busse stehen und trafen auf Heike und Bernd. Ich hab mir einfach eine Visitenkarte geben lassen und Monate später kreuzten sich unsere Wege, als ich mit dem Einzeltraining bei Lucky Dog begann. Ich fand die Atmosphäre von Anfang an sehr angenehm. Die Trainer strahlten eine total faszinierende Ruhe auch im Umgang mit ihren eigenen Hunden aus, es wurde nicht laut mit den Hunden kommuniziert. Sämtliche Trainer, die ich kennen gelernt habe, waren sehr nett und kompetent und mein Hund liebte sie und ich fühlte mich mit meinem Rüpel sehr gut aufgehoben.

Inzwischen habe ich die Möglichkeit bekommen, selbst aushilfsweise mit den unterschiedlichsten Hunden zu arbeiten und das Gelernte anzuwenden und stelle doch immer wieder fest, dass jeder Hund verschieden ist und wie wenig man doch eigentlich über Hunde und ihr Wesen weiß. Es gibt Hunde, die mit so einer Begeisterung dabei sind, die muss man nur Anblinzeln und schon sind sie zu allem bereit und dann gibt es die ganz Quirligen, die es zu bändigen gilt, die Gemütlichen oder die Sturen, die es besonders zu motivieren gilt. Es ist total spannend und interessant einem Hundebesitzer zu vermitteln, Kommandos seinem Hund beizubringen und da erinnere mich immer wieder gerne an meinen langen Weg mit Filou und Lucky Dog, die mich beide so viel gelehrt haben.

 

Man lernt niemals aus und Hundeerziehung hört niemals auf, stetes Wiederholen festig und formt und man wird immer genauer. Es schleichen sich gerne gelegentlich wieder kleine Fehlerchen ein, auf die der Profi einen sofort hinweisen kann, bevor es zu einem großen Fehler oder Problem wird. Um zum Erfolg mit dem geliebten Vierbeiner zu kommen ist es sehr wichtig, das Gelernte im Alltag umzusetzen und immer wieder zu wiederholen, auf einmal werden Sie merken, dass Dinge – an denen man sich wochenlang die Zähne ausgebissen hat – klappen. Das Lernen in der Hundeschule und anschließende Üben im Gruppenunterricht hat den Vorteil, dass immer ein Profi zur Seite steht. Wie wahrscheinlich fast jeder Hundebesitzer habe auch ich das Internet nach Lösungen gewälzt und bin doch nie recht zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen, oft fehlte es mir an einer klaren Anleitung, um zu einem bestimmten Ziel zu kommen. Im Unterricht konnte ich die Trainer fragen und wenn ich etwas nicht durchsetzen konnte oder ich den Hund einfach nicht motiviert bekam, eine Übung zu machen und bald am Verzweifeln war. Hier bekam ich sofort Hilfe und es wurde mir an meinem eigenen Hund gezeigt, wie ich zum Ziel komme. Beim anschließenden „Selbstversuch“ bekam ich Hilfestellungen. Die Trainer sehen Dinge, die einem als Laien überhaupt nicht auffallen. Man bekommt Erklärungen, die auch für einen Laien verständlich sind.

 

Sie sehen, liebe Hundebesitzer, es gibt keine zeitliche Begrenzung für die Hundeschule und es ist niemals zu spät, eine solche aufzusuchen.
 

Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Freude mit Ihrem Vierbeiner und geben Sie niemals auf!

Ihre Cornelia Scholz

Gedanken aus der Sicht einer Halterin,